Shannara III by Terry Brooks

Shannara III by Terry Brooks

Author:Terry Brooks [Brooks, Terry]
Language: deu
Format: epub
Published: 2012-03-06T16:00:00+00:00


Es war fast Mitternacht, als Allanon zu ihrem Lagerplatz zurückkehrte; er trat so lautlos wie ein Schatten, der durchs Wolfsktaag-Gebirge huschte, zwischen den Bäumen hervor. Durch die Äste über ihnen sickerte das Mondlicht in feinen Silberstrahlen und tauchte die ganze Nacht in gespenstische Helligkeit. Rone und Brin schliefen in ihre Decken gehüllt. An dem weiten, bewaldeten Berghang war alles still. Es war, als hielte er alleine Wache.

Der Druide blieb ein paar Meter vor der Stelle stehen, wo seine Schutzbefohlenen ruhten. Er war spazierengegangen, um alleine zu sein, nachzudenken und das unausweichlich Bevorstehende zu überdenken. Wie unerwartet die Worte Brimens gewesen waren, als der Geist sie ausgesprochen hatte - wie eigentümlich unerwartet. Und das hätten sie freilich nicht sein müssen. Er hatte von Anfang an gewußt, was einmal geschehen würde. Und doch war da immer das Gefühl, es möge eine Änderung eintreten. Er war schließlich Druide, und nichts war unmöglich.

Seine schwarzen Augen schweiften über die Bergkette. Das Gestern seines Lebens lag weit zurück, in weiter Ferne die Kämpfe, die er durchlebt, und die Straßen, die er durchwandert hatte, um diesen Augenblick zu erleben. Das Morgen schien ebenfalls fern, doch das war ein Trugbild, wie er wußte. Das Morgen lag direkt vor ihm.

So vieles war vollbracht worden, sinnierte er. Doch nicht genug. Er drehte sich um und schaute auf das schlafende Mädchen aus dem Tal hinab. Sie war diejenige, von der alles abhängen würde. Das wollte sie natürlich nicht glauben und auch nicht die Wahrheit über die Kraft des Wünschliedes, denn sie zog es vor, den Elfenzauber mit menschlichen Augen zu sehen, und dieser Zauber war niemals für Menschen faßbar gewesen. Er hatte ihr gezeigt, was der Zauber vermochte - nur einen kleinen Blick hatte er sie auf die Grenzen werfen lassen, an die man ihn führen konnte, denn mehr hätte sie, wie er begriff, nicht ertragen können. In ihrem Verständnis der Magie war sie ein Kind, und das Erwachsenwerden würde ihr schwerfallen. Um so schwerer, so wußte er, als er ihr nicht helfen konnte.

Er schlang unter seinen schwarzen Gewändern die Arme dicht um seinen Leib. Konnte er ihr wirklich nicht helfen? Da war es wieder. Er lächelte grimmig. Diese Entscheidung, daß er niemals alles offenbaren sollte, niemals mehr, als er für notwendig hielt - jene Entscheidung, daß, wie einstmals bei Shea Ohmsford, derjenige am besten selbst die Wahrheit in Erfahrung brachte, der mit ihr arbeiten würde. Er könnte sie ihr natürlich sagen - oder es zumindest versuchen. Ihr Vater würde empfohlen haben, sie ihr zu eröffnen, denn er hatte bei dem Elfenmädchen Amberle die gleiche Ansicht vertreten. Doch es lag nicht bei Wil Ohmsford, eine Entscheidung zu fällen. Es lag bei ihm.

Es lag stets bei ihm.

Ein Hauch Bitterkeit verzog seinen Mund. Dahin waren die Ratssitzungen von Paranor, da viele Stimmen und viele Köpfe sich zusammengetan hatten, um Lösungen für die Probleme der Menschheit zu finden. Die Druiden, die weisen Männer von einst, existierten nicht mehr. Die Geschichtsbücher, Paranor und alle Hoffnungen und Träume, die sie einmal genährt hatten, waren dahin, und nur er war noch geblieben.



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